2008
29.10.2008
Experten berichten von Erfolgen
Peter Schriewersmann und Mario Walter (v. l.) von der Firma arvato berichteten vor dem FDP-Stadtverband über Dienstleistungspartnerschaften in der Kommunalverwaltung. Begrüßt wurden sie vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Edgar Beumer
Peter Schriewersmann und Mario Walter (v. l.) von der Firma arvato berichteten vor dem FDP-Stadtverband über Dienstleistungspartnerschaften in der Kommunalverwaltung. Begrüßt wurden sie vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Edgar Beumer
LIPPSTADT Um die Steigerung von Effizienz und Service der Kommunalverwaltungen durch Dienstleistungspartnerschaften ging es bei einem Diskussionsabend des FDP-Stadtverbandes im Hülshoff. Sachkundige Referenten waren Mario Walter und Peter Schriewersmann der arvato Services/government. Das Tochterunternehmen der Bertelsmann Group verfügt seit Jahren über Erfahrung in der Übernahme kommunaler Dienstleistungen. In Großbritannien steuert die arvato den Landkreis East Riding. In Deutschland startete die Arvato mit dem Projekt - Würzburg integriert-.Mario Walter stellte das Projekt Würzburg vor. Dort steuert Arvato seit April 2007 alle Abläufe in der Kommunalverwaltung über eine zentrale Internetplattform. Ziel sei es, Bürgern, Unternehmen und Partnern alle Dienstleistungen der Stadt über nur eine Anlaufstelle anzubieten. Die Stadt Würzburg erhofft sich während der Laufzeit von zunächst zehn Jahren Einsparungen in Höhe von mehr als 27 Millionen Euro durch Personalabbau. 75 Mitarbeiter, die nach und nach in Ruhestand gehen, werden nicht ersetzt. 10 der eingesparten 27 Millionen Euro sollen nach Angaben von Walter an die Stadt gehen. Die Projektkosten belaufen sich auf weitere 10 Millionen Euro. Einen wesentlichen Beitrag zur Verwaltungsmodernisierung verspricht sich die Stadt Würzburg durch e-Government. Sie strebt damit folgende Ziele an: Erhöhung der Kundenzufriedenheit, Steigerung der Standortattraktivität, nachhaltiger Beitrag zur gesunden Haushaltslage und attraktiveres Arbeitsumfeld für die Mitarbeiter. Kernbestandteile der Partnerschaft mit arvato sind nach Angaben von Mario Walter die Reorganisation der Verwaltungsabläufe und der Aufbau und Betrieb eines einheitlichen Integrationsportals. Die Analyse von Verwaltungsprozessen der Stadt hat nach Angaben von Walter gezeigt, dass mit dem neuen Verfahren die Bearbeitungszeiten von Abläufen im Bürgerbüro um mindestens 25%, teilweise sogar um über 50% reduziert werden können. Die Firma Arvato sieht in dem Würzburger Projekt einen Einstieg in den deutschen Markt mit öffentlichen Dienstleistungen. Es seien bereits 30 weitere Kommunen an einer Zusammenarbeit interessiert, berichtete Mario Walter.
In England geht der Einsatz des Unternehmens wesentlich weiter. Wie Peter Schriewersmann berichtete, ist der britischen „East Riding of Yorkshire Council“ (ERYC) im Oktober 2005 mit arvato eine Dienstleistungspartnerschaft eingegangen. Deren zentrales Ziel sei die Qualitätsverbesserung der öffentlichen Leistungen bei geringeren Kosten.
Über eine Laufzeit von acht Jahren erbringt arvato Leistungen in Bereichen wie Zahlungsverkehr, Steuern, Personalabrechnung, IT sowie Druck und betreibt sämtliche Bürgerbüros. Dabei wurden 517 Verwaltungsmitarbeiter von arvato übernommen. Ihre Tätigkeiten, Gehaltsstruktur und Pensionen bleiben nach Angaben von Schriewersmann zu gleichen Konditionen erhalten. Falls die Partnerschaft nach Ablauf der Vertragslaufzeit nicht mehr fortgeführt werde, könnten die Mitarbeiter wieder in ihr bisheriges öffentliches Umfeld zurückkehren, ohne auf dienstrechtliche Sicherheiten zu verzichten. Zusätzlich schafft arvato 600 neue Arbeitsplätze in der Region.
Um die Qualität der zu erbringenden Leistungen zu sichern, würden über 100 klar definierte Leistungsindikatoren gemessen, die bei Nichterreichung finanzielle Vertragsstrafen für arvato nach sich ziehen. 98% der Bürger sind nach Angaben von Schriewersmann mit den erbrachten Dienstleistungen der Partnerschaft zufrieden.
Quelle: Der Patriot
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